Aus aktuellem Anlass eine kleine Unterbrechung, bevor es in den Adventskalenderendspurt geht: Die Hamburger Morgenpost hat ein öffentlichkeitswirksames Statement zu den umstrittenen Akkreditierungsbestimmungen für Fotografen bei Rammstein-Konzerten abgegeben und einen schwarzen Kasten anstelle eines Konzertfotos abgedruckt, wie ich der Spiegelkritik entnommen habe. Der DJV hatte bereits im November davor gewarnt, einen solchen Kebelvertrag zu unterschreiben, der unter anderem vorsieht, dass die Bilder nur in einem einzigen, zuvor benannten Medium veröffentlicht werden dürfen und dass das Band-Management alle Rechte an sämtlichen geschossenen Bildern erwirbt – kostenlos.
Eine kleine Anmerkung dazu: Akkreditierungen an bestimmte Bedingungen zu knüpfen ist völlig legitim. Man kann Fotojournalisten Verhaltensregeln und Sperrfristen für Bildveröffentlichungen unterschreiben lassen (wie in der Fußball-Bundesliga), kann die Mitgliedschaft in bestimmten Verbänden voraussetzen (zum Beispiel in der AIPS, wie bei internationalen Sportveranstaltungen oft üblich) oder bestimmte Medien gezielt ausschließen. Das ist in vielen Fällen nicht schön, aber es ist das gute Recht eines Veranstalters und es hat oft auch gute Gründe. Einmal geht es darum, teuer verkaufte Rechte zu schützen, in dem man die Veröffentlichung vor bestimmten Sperrfristen oder von bestimmten Medienformaten rechtlich verhindert (vergleiche den Bundesliga-Fotografen-Kodex), ein andermal soll verhindert werden, dass Krethi und Plethi die Veranstaltung kostenlos belagern, den reichweitenstarken Journalisten die Arbeit erschweren und dem Veranstalter keinen Mehrwert bringen (deshalb die Mitgliedschaft in Berufsverbänden als Voraussetzung). Und wenn man nicht in jedem Organ einer hemmungslosen Medienlandschaft erscheinen möchte, nun gut, dann bietet es sich eben an, die Veröffentlichung auf ein einziges, namentlich genannten Medienorgan zu beschränken und so das Hintertürchen für ungebetene Gäste zu schließen. Über all das kann man streiten, man kann das Interesse der Öffentlichkeit gegen die Rechte eines Veranstalters abwägen und wird am Schluss doch mit einem Kompromiss enden, da gewisse Regeln ebenso unverzichtbar sind wie öffentliche Aufmerksamkeit.
Indiskutabel ist es aber, wenn eine Band, die ihre Rechte selbst gegen die treusten Fans mit allen Mitteln verteidigt und dank mehr als 15 Millionen verkaufter Platten wohl eher nicht am Hungertuch nagt, für die kreative Arbeit anderer keinen Cent bezahlen, sich deren Rechte kostenfrei und pauschal unter den Nagel reissen möchte. Die Kosten für eine handvoll guter Fotos in Relation zu den Einnahmen eines einzigen Konzertabends, dafür kann man nicht mal die berüchtigten “Peanuts” bemühen. Es ist einfach eine Frage der Fairness.